Walking Pad unter dem Schreibtisch: was belegt ist – und was nicht

Gehen statt sitzen, während man arbeitet: Dazu gibt es eine Laborstudie der gesetzlichen Unfallversicherung und eine Übersichtsarbeit über 13 Studien. Was sie zeigen, wo sie enden – und was die Hersteller zu ihren Geräten sagen.

Kurz gesagt

  • Belegt: Wer am Laufband-Arbeitsplatz geht statt zu sitzen, setzt im Labor mehr Energie um; im Büroalltag sinkt die Sitzzeit etwas.
  • Belegt: Die meisten Büroaufgaben gelingen dabei so gut wie im Sitzen – Arbeiten mit der Maus nicht.
  • Nicht belegt: eine langfristige Wirkung auf Gewicht oder Herz-Kreislauf-Werte. Und keine der beiden Arbeiten hat Walking Pads im Home-Office untersucht.

Die Laborstudie der Unfallversicherung

Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) hat zwei „dynamische Büroarbeitsplätze“ im Labor untersucht: einen Laufband-Arbeitsplatz und ein Sitzergometer, jeweils mit zwei Intensitäten, dazu als Vergleich einen gewöhnlichen Sitz- und einen Steharbeitsplatz. Zwölf Versuchspersonen, sechs Frauen und sechs Männer, erledigten an jeder Station dieselben fünf Büroaufgaben (IFA Report 4/2014).

Das Ergebnis laut Kurzfassung: Die Körperhaltung war an den dynamischen Stationen ähnlich wie an den gewöhnlichen. Körperliche Aktivität, Herzfrequenz und Energieumsatz lagen an den dynamischen Stationen in den meisten Fällen signifikant höher als am Sitzarbeitsplatz. Eine Einschränkung nennt die Projektseite: Beim Laufband mit niedriger Intensität war der Energieumsatz nicht signifikant erhöht (IFA, Projekt 4197).

Arbeiten und Gehen gleichzeitig

Die Versuchspersonen selbst meinten, ihre Arbeitsleistung leide an den dynamischen Stationen. Die Auswertung bestätigte das nur in einem Punkt: Bei Aufgaben mit der PC-Maus am Laufband, und zwar bei der höchsten Intensität, sank die Geschwindigkeit um 16 Prozent und die Genauigkeit um 12 Prozent. Bei den übrigen Aufgaben fand das IFA keine Unterschiede. Den Komfort beurteilten die Teilnehmenden an den dynamischen Stationen tendenziell als geringer.

Daraus folgt keine Empfehlung für ein bestimmtes Gerät – das IFA hat einen Arbeitsplatz mit Laufband untersucht, kein Walking Pad aus dem Handel. Als Hinweis taugt es trotzdem: Arbeit mit der Maus vertrug sich mit dem Gehen schlechter als die übrigen untersuchten Aufgaben.

Die Übersichtsarbeit: 13 Studien, 351 Personen

Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift BMC Public Health hat 2021 die Studien zu Laufband-Schreibtischen zusammengefasst: sieben aus dem Labor, sechs aus Betrieben, zusammen 351 Teilnehmende (BMC Public Health, 2021). Zwei Ergebnisse:

  • Im Labor lag der Energieumsatz am Laufband-Schreibtisch im Mittel um rund 105 Kilokalorien pro Stunde höher als im Sitzen.
  • Im Büroalltag saßen die Nutzerinnen und Nutzer über 24 Stunden gerechnet 1,73 Minuten pro Stunde weniger als die Vergleichsgruppe am gewöhnlichen Schreibtisch.

Beim Blutdruck fanden die Autorinnen und Autoren keine signifikanten Unterschiede, bei anderen Stoffwechselwerten ebenfalls keine belegbaren Veränderungen. Sie halten weitere Studien für nötig, um die Wirkung auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit zu beurteilen.

Was nicht belegt ist

  • Gewicht und Gesundheit auf lange Sicht. Die 105 Kilokalorien stammen aus Laborstudien; im Alltag sank die Sitzzeit um weniger als zwei Minuten pro Stunde. Eine Aussage, wie sich ein Walking Pad auf das Körpergewicht auswirkt, lässt sich daraus nicht ableiten – wir machen sie nicht.
  • Walking Pads zu Hause. Beide Arbeiten untersuchen Arbeitsplätze mit Laufband im Labor oder im Betrieb. Flache Geräte unter dem eigenen Schreibtisch kommen darin nicht eigens vor.
  • Eine Regel für das Büro. Eine Vorschrift der Unfallversicherung, die das Gehen auf einem Walking Pad am Arbeitsplatz erlaubt oder verbietet, haben wir nicht gefunden. Wer im Betrieb eines aufstellen will, klärt das mit dem Arbeitgeber.

Welches Tempo am Schreibtisch?

Die Rechenformel fürs Gehen, die das Compendium of Physical Activities wiedergibt, gilt von 3,1 bis 5,9 km/h (Compendium of Physical Activities). Die Höchstgeschwindigkeit aller 12 Geräte im Vergleich liegt darüber: Sie reicht von 6 bis 12 km/h; die niedrigste Stufe – belegt für 10 Geräte – von 1 bis 2 km/h. Für den Schreibtisch genügt damit auch die Klasse bis 10 km/h.

Bei Geräten mit Klappgriff gilt die Höchstgeschwindigkeit mitunter nur mit aufgestelltem Griff. Bei 3 Geräten nennt der Hersteller für die flache Nutzung einen eigenen, niedrigeren Wert:

  • UREVO Strol 2E Pro: Mit heruntergeklapptem Handlauf sind es laut Hersteller 1–6,4 km/h.
  • Toputure TP4: Als Walking Pad (Handlauf unten) ist das Gerät laut Hersteller auf etwa 1–8 km/h begrenzt, mit aufgestelltem Handlauf sind es bis etwa 12 km/h.
  • Sportstech sWalk Plus: Eingeklappt sind es bis 6 km/h, ausgeklappt bis 12 km/h (laut Hersteller).

Was die Hersteller zum Schreibtisch sagen

Ausdrücklich für die Nutzung unter dem Schreibtisch beschreiben die Hersteller 3 der 12 Geräte:

  • Sportstech sWalk Lite: Flaches Gerät (12,5 cm hoch) ohne Griff, laut Hersteller für die Nutzung unter dem Schreibtisch.
  • UREVO Strol 2E Pro: Laut Hersteller mit heruntergeklapptem Handlauf unter dem Schreibtisch nutzbar, mit aufgestelltem Handlauf als Laufband.
  • Sportstech sWalk Plus: Laut Hersteller eingeklappt als Walking Pad (bis 6 km/h, auch unter dem Schreibtisch) und ausgeklappt als Laufband (bis 12 km/h) nutzbar.

Bei den übrigen steht dazu nichts in den Quellen, die uns vorliegen – das heißt nicht, dass sie ungeeignet wären. 4 Geräte haben gar keinen Griff, 6 sind 2-in-1-Geräte mit umklappbarem Griff – 3 davon nur laut Angebot. Bei 2 klappt der Griff nur zum Verstauen um; einen Betrieb ohne Griff beschreiben die Hersteller dort nicht.

Passt es unter den Tisch?

Dafür zählen Länge und Höhe. Aufgebaut sind die Geräte laut den Quellen 103,6 cm (laut Angebot) bis 133,1 cm lang. Flach liegend – ohne Griff oder zusammengeklappt – sind sie 10 cm (laut Angebot) bis 15 cm (laut Angebot) hoch; dieses Maß ist für 11 der 12 Geräte belegt. Wer das Gerät nach der Arbeit wegräumt, schaut auf das Gewicht: 13 kg (laut Angebot) bis 28 kg, belegt für 11 Geräte. Leichter ist in unserer Wertung besser.

Zur Lautstärke gibt es fast nichts Belegtes: Nur bei 1 der 12 Geräte nennt der Hersteller einen Wert. Ob ein Walking Pad im Großraumbüro oder in der Mietwohnung stört, lässt sich mit den vorhandenen Angaben nicht beantworten.

Welche Walking Pads vorn liegen

In der Klasse bis 10 km/h, den Geräten zum Gehen, liegt nach Punkten der CHAOKE X380P vorn. Das Gerätegewicht ist nicht belegt; dieses Kriterium zählt bei ihm mit 0. Aus dem Angebot stammen bei ihm die Lauffläche, das maximale Nutzergewicht und der Höchstwert der Steigung – gewertet wie Herstellerangaben. In der Klasse mit 12 km/h führt der Toputure TP4. Alle Geräte mit Bauart, Maßen und Quellen stehen im Vergleich; wie die Wertung entsteht, in der Methodik.

Quellen

Gerätedaten: Herstellerangaben und Angebote, Stand 12.10.2026. Wir kaufen die Geräte nicht und prüfen sie nicht selbst. Zum Walking-Pad-Vergleich · Zur Kaufberatung